Wenn Sie einen Handwerker beauftragen, werden Sie früher oder später mit der Frage konfrontiert: Festpreis oder Regiearbeit (auch “nach Aufwand” oder “nach Zeit und Material” genannt)? Beide Modelle haben klare Vor- und Nachteile — und die falsche Wahl kann Sie teuer zu stehen kommen. In diesem Artikel erklären wir Ihnen den Unterschied, zeigen konkrete Rechenbeispiele und geben Ihnen eine klare Empfehlung für verschiedene Situationen.
Was bedeutet Festpreis?
Beim Festpreis vereinbaren Sie mit dem Handwerksbetrieb einen fixen Gesamtpreis für eine klar definierte Leistung. Egal wie lange die Arbeit dauert, wie viel Material verbraucht wird oder welche Überraschungen auftreten — Sie zahlen den vereinbarten Betrag (sofern keine wesentlichen Änderungen am Auftrag entstehen).
Beispiel Festpreis: “Einbau einer Unterputz-Steckdose inklusive Material: 180 € brutto.”
Die Arbeit dauert 45 Minuten oder 2 Stunden — Sie zahlen 180 €.
Was bedeutet Regiearbeit?
Bei der Regiearbeit (Abrechnung nach Aufwand) werden Stunden und Material separat berechnet. Der Handwerker erfasst die geleisteten Arbeitsstunden und das verwendete Material und rechnet am Ende nach tatsächlichem Aufwand ab.
Beispiel Regie: Stundensatz 95 €/h, Arbeit dauert 2,5 Stunden = 237,50 € Lohn + Material 85 € = 322,50 € netto.
Festpreis vs. Regiearbeit im Vergleich
| Kriterium | Festpreis | Regiearbeit |
|---|---|---|
| Kostensicherheit | Hoch — Sie wissen vorher den Preis | Gering — Endpreis offen |
| Planbarkeit für Auftraggeber | Sehr gut | Eingeschränkt |
| Risiko für Handwerker | Hoch bei Überraschungen | Gering |
| Risiko für Auftraggeber | Gering | Hoch bei Mehraufwand |
| Geeignet für | Klar definierte Aufgaben | Komplexe, unbekannte Arbeiten |
| Preisvergleich möglich | Ja, einfach | Schwer vergleichbar |
| Motivationsanreiz | Effizienz lohnt sich | Langsames Arbeiten nicht bestraft |
Wann ist der Festpreis die bessere Wahl?
Ein Festpreis macht Sinn, wenn der Umfang der Arbeit klar definiert und kalkulierbar ist. Das ist der Fall bei:
- Standardleistungen: Einbau einer Steckdose, Wechsel eines Heizkörpers, Verlegen von Laminat auf gemessener Fläche
- Renovierungsarbeiten mit bekanntem Aufmaß: Streichen eines Raums mit bekannten Quadratmetern
- Neuinstallationen: Einbau eines neuen Heizkessels (bekanntes Modell, Standard-Anschluss)
- Komplette Projekte: Neubau eines Badezimmers (nach genauer Planung und Bemusterung)
Als Auftraggeber haben Sie beim Festpreis die volle Kostensicherheit — das ist gerade bei größeren Projekten ein enormer Vorteil. Sie können planen, finanzieren und vergleichen.
Wann ist die Regiearbeit sinnvoll?
Regiearbeit ist dann angebracht, wenn der tatsächliche Aufwand nicht im Voraus bestimmt werden kann — zum Beispiel bei:
- Sanierungsarbeiten in Altbauten: Hinter der Wand kann alles mögliche stecken — alte Rohre, marodes Mauerwerk, nicht normgerechte Leitungen
- Reparaturen mit unbekannter Ursache: “Das Wasser läuft nicht richtig ab” — bis die Ursache gefunden ist, weiß niemand wie lange es dauert
- Modernisierungen in älteren Gebäuden: Elektrosanierung in einem Gebäude von 1960 — was genau hinter den Wänden liegt, weiß man erst wenn man öffnet
- Notfalleinsätze: Bei einem Rohrbruch oder Stromausfall muss zuerst das Problem gefunden werden, bevor ein Preis möglich ist
Hier wäre ein Festpreis für den Handwerker unrealistisch und würde entweder zu überhöhten Sicherheitspuffern führen oder der Betrieb arbeitet mit Verlust.
Rechenbeispiel: Badezimmer-Renovierung
Stellen wir uns zwei Szenarien vor: eine klar geplante Badsanierung vs. eine Sanierung mit Überraschungen.
Szenario A — Festpreis, alles wie geplant: Ein Betrieb bietet die komplette Badsanierung (Fliesenleger, Sanitär, Elektriker) für 12.500 € Festpreis. Die Arbeit dauert 8 Tage, keine Überraschungen. Sie zahlen: 12.500 €.
Szenario B — Regie, gleiche Badsanierung: Stundensatz 95 €, 12 Arbeitsstunden täglich mit 3 Handwerkern × 8 Tage = 2.880 Stunden × … Halt. Das wird schnell sehr komplex. In der Praxis: Bei Regiearbeit mit mehreren Handwerkern werden gerne 15–25% mehr Stunden als geplant berechnet. Das gleiche Bad könnte am Ende 14.000–15.500 € kosten.
Szenario C — Regie, Überraschungen: Beim Öffnen der Wände stellt sich heraus, dass alle Leitungen erneuert werden müssen. Das wären beim Festpreis Nachtragsverhandlungen — bei der Regie läuft die Uhr einfach weiter. Endbetrag: 17.000 €.
Für klar definierte Renovierungsprojekte ist der Festpreis in der Regel günstiger und sicherer.
Mischformen: Festpreis mit Stundenvorbehalt
In der Praxis gibt es auch Mischformen, die in manchen Situationen sinnvoll sind:
- Festpreis für definierte Leistungen + Stundensatz für Unvorhergesehenes: “Einbau des Heizkessels für 850 € Festpreis. Falls alte Leitungen ersetzt werden müssen, kommen 90 €/h hinzu.”
- Kostenobergrenze (Deckelpreis): “Abrechnung nach Aufwand, maximal jedoch 2.500 €.” — Der Auftraggeber hat eine Kostenobergrenze, der Handwerker trägt das Risiko der Überschreitung.
So schützen Sie sich bei Regiearbeit
Wenn Sie nicht umhin kommen, auf Regiearbeit zu vereinbaren, sollten Sie folgende Absicherungen treffen:
- Stundenzettel täglich unterschreiben lassen — so bestätigen Sie nur geleistete Stunden
- Materialkosten belegen lassen — bestehen Sie auf Quittungen oder Lieferscheinen für verwendetes Material
- Maximalbetrag vereinbaren — ein “Deckelpreis” gibt Ihnen Sicherheit
- Regelmäßige Updates verlangen — lassen Sie sich täglich oder wöchentlich über den aktuellen Stand informieren
Für Handwerksbetriebe: Wie Sie das auf Ihrer Website kommunizieren
Transparenz bei Preismodellen ist ein enormes Vertrauenssignal für potenzielle Kunden. Handwerksbetriebe die auf ihrer Website erklären, wann sie Festpreise anbieten und warum manchmal Regiearbeit nötig ist, wirken deutlich seriöser als Betriebe ohne jede Preisinformation.
Kunden die verstehen warum ein Festpreis nicht immer möglich ist, akzeptieren Regiearbeit deutlich entspannter.
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