Google Ads versprechen schnelle Ergebnisse: Heute Kampagne starten, morgen erste Anfragen. Das stimmt — aber es kostet, und nicht jeder Handwerksbetrieb profitiert gleich stark davon. Dieser Artikel erklärt ehrlich, wann sich Google Ads für Handwerker lohnen, was es realistisch kostet und wann Sie besser auf organisches SEO setzen sollten.
Wie Google Ads für Handwerker funktionieren
Wenn jemand “Elektriker Düsseldorf” googelt, erscheinen ganz oben bezahlte Anzeigen — gekennzeichnet mit “Gesponsert”. Sie bezahlen jedes Mal, wenn jemand auf Ihre Anzeige klickt. Das nennt sich Pay-per-Click (PPC).
Wie viel ein Klick kostet, hängt vom Gewerk und der Region ab. Es gibt keine Fixpreise — Sie bieten gegen Mitbewerber.
Typische Kosten pro Klick nach Gewerk
Diese Werte sind Richtwerte für mittlere Städte (100.000–500.000 Einwohner). In Großstädten wie München oder Berlin sind die Kosten 30–60 % höher.
| Gewerk | CPC-Spanne (pro Klick) | Wettbewerb |
|---|---|---|
| Schlüsseldienst | 10–35 € | Sehr hoch |
| Wasserschaden / Notfall | 8–25 € | Hoch |
| Heizungsbauer | 5–18 € | Hoch |
| Elektriker | 4–15 € | Mittel bis hoch |
| Dachdecker | 3–12 € | Mittel |
| Maler | 2–8 € | Mittel |
| Tischler / Schreiner | 1–6 € | Niedrig bis mittel |
| Fliesenleger | 2–7 € | Niedrig bis mittel |
| KFZ-Werkstatt | 2–10 € | Mittel |
| Bodenleger | 1–5 € | Niedrig |
Die entscheidende Rechnung: Was kostet ein Auftrag via Ads?
Ein Klick ist noch kein Auftrag. Die meisten Nutzer klicken, schauen sich die Website an und melden sich nicht. Die Quote von Klicks zu Anfragen nennt man Konversionsrate.
Typische Konversionsraten für Handwerker-Websites:
- Schlechte Website: 1–2 % (100 Klicks = 1–2 Anfragen)
- Gute Website (professionell, mobil, schnell): 4–8 % (100 Klicks = 4–8 Anfragen)
- Sehr gute Website mit Direktbuchung: 8–15 %
Rechenbeispiel Elektriker in Köln:
- Kosten pro Klick: 8 €
- Konversionsrate: 5 %
- Kosten pro Anfrage: 8 € ÷ 0,05 = 160 €
- Nicht jede Anfrage wird Auftrag (Annahme 60 %): Kosten pro Auftrag = 160 € ÷ 0,6 = 267 €
Wenn ein durchschnittlicher Auftrag 400–600 € Umsatz bringt, rechnet sich das nur knapp. Bei größeren Aufträgen (Elektroinstallation Neubau, 2.000+ €) ist der ROI deutlich besser.
Für welche Handwerker lohnen sich Google Ads am meisten?
Ideal für Ads:
- Notfalldienstleister (Schlüsseldienst, Rohrbruch, Heizungsausfall): Sofortiger Handlungsdruck, hohe Bereitschaft zu zahlen
- Betriebe mit hohem Auftragswert (Dachdecker, Heizungsbau, Elektro-Großprojekte): Die Akquisitionskosten amortisieren sich schnell
- Neue Betriebe ohne Google-Rankings: Ads überbrücken die Zeit bis organisches SEO wirkt
Weniger ideal für Ads:
- Gewerke mit niedrigen Auftragswerten (einfache Reparaturen unter 150 €): Margin zu gering
- Betriebe bereits ausgelastet: Wozu Geld für Anfragen ausgeben, die man nicht abarbeiten kann?
- Regionen mit sehr starkem lokalen Wettbewerb: CPCs zu hoch, ROI zu niedrig
Welche Keywords Sie wählen — und welche Geld verbrennen
Gute Keywords (kaufintent, spezifisch):
- “Elektriker Düsseldorf Notfall”
- “Dachdecker Hamburg Angebot”
- “Heizung reparieren Köln”
- “KFZ Werkstatt Berlin Inspektion”
Schlechte Keywords (zu breit, zu teuer, falsche Absicht):
- “Elektriker” (zu breit, keine lokale Absicht)
- “Wie wird man Elektriker” (Berufssuche, nicht Kundensuche)
- “Elektriker Gehalt” (komplett falsche Zielgruppe)
Tipp: Nutzen Sie ausschließlich sogenannte “Phrase Match” oder “Exact Match” Keywords — keine Broad Match Keywords, die automatisch auf irrelevante Suchanfragen ausgeweitet werden.
Eine Google Ads Kampagne ohne Agentur aufsetzen
Sie können eine Basiskampagne selbst starten — aber mit Vorsicht. Google macht es absichtlich einfach, schnell viel Geld auszugeben.
Schritt 1: Google Ads Konto erstellen (ads.google.com)
Schritt 2: Kampagnentyp wählen → “Suchnetzwerk” (nicht “Performance Max” oder “Smart Kampagne” — zu wenig Kontrolle)
Schritt 3: Budget festlegen: Starten Sie mit 10–20 €/Tag und erhöhen Sie erst nach 2–3 Wochen, wenn Sie sehen was funktioniert
Schritt 4: Tageszeit eingrenzen — Handwerker werden hauptsächlich während der Geschäftszeiten gesucht, nicht um 3 Uhr nachts
Schritt 5: Standort eingrenzen — nur Ihr Einzugsgebiet (z. B. 25 km um Ihren Betrieb)
Schritt 6: Conversion-Tracking einrichten — ohne das wissen Sie nicht welche Keywords Anfragen bringen
Wann SEO die bessere Wahl ist
Langfristig übertrifft organisches SEO die Google Ads fast immer — wenn Sie bereit sind, 3–6 Monate zu warten.
Organisches SEO lohnt sich wenn:
- Sie einen stabilen, langfristigen Betrieb aufbauen
- Sie eine professionelle Website haben (oder beauftragen)
- Sie 3–6 Monate Geduld mitbringen
- Der Wettbewerb in Ihrer Nische online noch nicht stark ist
Die Kombination ist oft ideal: Ads für sofortige Ergebnisse, SEO als langfristige Basis. Schalten Sie Ads während die SEO-Rankings aufgebaut werden — und reduzieren Sie Ads, sobald Sie organisch gut sichtbar sind.
Fazit: Google Ads ist ein Werkzeug — kein Allheilmittel
Google Ads kann schnell neue Kunden bringen. Aber es kostet dauerhaft Geld und funktioniert nur mit einer guten Website darunter. Wer 500 € in eine professionelle Website investiert und dann 300 €/Monat in Ads, bekommt oft bessere Ergebnisse als jemand der 800 €/Monat in Ads ohne ordentliche Website steckt.
Starten Sie mit Ihrer Website — dann entscheiden Sie, ob und wann Ads sinnvoll hinzukommen.
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