Buchhaltung ist für viele Handwerker das ungeliebte Thema — zu Unrecht wird es aufgeschoben bis das Chaos perfekt ist. Dabei lässt sich die Buchhaltung mit den richtigen Tools auf wenige Stunden pro Monat reduzieren, und mit digitalem Belegmanagement sparen Sie zudem beim Steuerberater. Dieser Artikel zeigt, was Sie als Handwerker wissen müssen.
Welche Buchhaltungspflichten haben Handwerker?
Grundsätzlich gibt es zwei Buchhaltungsmethoden:
Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR)
- Für Freiberufler und Gewerbetreibende mit Jahresumsatz unter 800.000 € oder Gewinn unter 80.000 €
- Einfachste Form: Einnahmen minus Ausgaben = Gewinn
- Für die meisten kleinen und mittleren Handwerksbetriebe geeignet
Doppelte Buchführung (Bilanzierung)
- Pflicht ab Jahresumsatz über 800.000 € oder Gewinn über 80.000 €
- Aufwändiger, aber detaillierter
- Erfordert in der Regel einen Steuerberater
Wichtige Steuer-Basics für Handwerker
Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer)
- Handwerker berechnen 19% MwSt. auf ihre Leistungen (Ausnahme: bestimmte Energiesparmaßnahmen 7% oder 0%)
- Kleinunternehmerregelung: Bei Jahresumsatz unter 22.000 € (Vorjahr) und voraussichtlich unter 50.000 € (aktuelles Jahr) können Sie auf die Umsatzsteuer verzichten
- Als Kleinunternehmer stellen Sie Rechnungen ohne MwSt. — einfacher, aber keine Vorsteuer-Erstattung möglich
Gewerbesteuer
- Freibetrag für Einzelunternehmen: 24.500 €/Jahr
- Freibetrag für Personengesellschaften (GbR, OHG): 24.500 €/Jahr
- Bei GmbH: kein Freibetrag, ab dem ersten Euro gewerbesteuerpflichtig
Einkommensteuer
- Als Einzelunternehmer wird der Betriebsgewinn Ihrem persönlichen Einkommen zugerechnet und mit Ihrem persönlichen Steuersatz besteuert
Absetzbare Ausgaben — was Handwerker häufig vergessen
Diese Ausgaben sind steuerlich absetzbar und werden häufig übersehen:
| Ausgabe | Absetzbarkein | Beleg erforderlich |
|---|---|---|
| Werkzeug und Maschinen | 100% | Rechnung |
| Arbeitskleidung (Schutzkleidung) | 100% | Rechnung |
| Fahrzeug (betrieblich) | 100% oder 0,03%-Methode | Fahrtenbuch oder pauschale Angabe |
| Heimarbeitszimmer | Anteilig | Mietvertrag + Flächennachweis |
| Fortbildungen/Kurse | 100% | Rechnung + Nachweis |
| Büromaterial | 100% | Quittung |
| Mobiltelefon (betrieblich) | 100% oder anteilig | Rechnung |
| Bewirtungskosten (Kunden) | 70% | Spezialbeleg mit Namen |
Die besten Buchhaltungsprogramme für Handwerker
DATEV — der Standard beim Steuerberater
DATEV ist die Software die 90% aller deutschen Steuerberater nutzen. Wenn Sie einen Steuerberater haben, sollten Sie Ihre Belege digital so erfassen dass sie direkt DATEV-kompatibel sind — das spart Ihren Steuerberater-Stunden und damit Kosten.
DATEV Unternehmen Online: Ab 11 €/Monat für die Belegerfassung. Ihr Steuerberater hat direkten Zugriff auf Ihre Belege — keine manuelle Übergabe mehr.
Lexware — gut für Betriebe mit eigener Buchhaltung
Wer die Buchhaltung selbst erledigt, ist mit Lexware gut aufgestellt. Die Software führt Sie durch alle Schritte, erstellt Steuererklärungen und DATEV-Export.
Preis: Ab 79,95 €/Quartal (Lexware buchhaltung plus)
sevDesk — einfach und günstig
Für Einsteiger und kleine Betriebe: sevDesk ist intuitiv bedienbar, günstig und reicht für einfache EÜR-Buchhaltung aus. Belege per Foto hochladen — die Software erkennt automatisch Datum, Betrag und Lieferant.
Preis: Ab 15 €/Monat
FastBill — cloudbasiert und modern
FastBill bietet automatische Belegverarbeitung (OCR-Erkennung), Bank-Synchronisation und DATEV-Export. Besonders gut für Betriebe die papierlose Buchhaltung wollen.
Preis: Ab 9 €/Monat
Wie Sie Steuerberater-Kosten senken
Steuerberater-Kosten für einen mittelgroßen Handwerksbetrieb liegen oft bei 2.000–5.000 € jährlich. Mit digitalem Belegmanagement können Sie diese Kosten um 20–40% reduzieren:
- Belege sofort digitalisieren: Quittungen per Smartphone-App fotografieren statt sammeln
- Monatlich ordentlich ablegen: Nicht am Jahresende alles auf einmal einreichen
- DATEV Unternehmen Online nutzen: Ihr Steuerberater spart Zeit wenn er digital Zugriff hat
- Fahrtenbuch digital führen: Apps wie „Fahrtenlogger" machen das automatisch
Fahrtkosten richtig erfassen — einer der größten Steuerfehler
Viele Handwerker führen kein Fahrtenbuch und verschenken damit Steuerersparnisse:
Methode 1: Fahrtenbuch
- Jede betriebliche Fahrt dokumentieren (Datum, Ziel, Kilometer, Zweck)
- 100% der tatsächlichen Fahrtkosten absetzbar
- Aufwändiger, aber bei hoher Fahrleistung lohnenswerter
Methode 2: 1%-Regelung (pauschale Versteuerung)
- 1% des Bruttolistenpreises des Fahrzeugs monatlich als geldwerter Vorteil
- Einfacher, aber bei teuren Fahrzeugen und wenig Privatnutzung ungünstiger
Empfehlung: Bei über 60% betrieblicher Nutzung lohnt sich fast immer das Fahrtenbuch.
Kleinunternehmerregelung: Lohnt sie sich?
Neu selbstständige Handwerker fragen häufig: Soll ich Kleinunternehmer bleiben?
Vorteile der Kleinunternehmerregelung:
- Keine Umsatzsteuer ausweisen (einfachere Rechnungen)
- Keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen
- Für Privatkunden attraktiver (10–20% günstiger)
Nachteile:
- Keine Vorsteuer-Erstattung (keine Rückerstattung der MwSt. auf Einkäufe)
- Bei viel Materialeinkauf schnell nachteilig
- Deckelt das Wachstum psychologisch auf 22.000 € Jahresumsatz
Empfehlung: Wer viel Material kauft oder hauptsächlich Geschäftskunden (B2B) beliefert, fährt mit Regelbesteuerung meist besser.
Fazit: Digital von Anfang an
Wer Buchhaltung von Anfang an digital organisiert, spart nicht nur Zeit — er hat auch jederzeit den Überblick über seinen Betrieb: Wie viel ist diesen Monat eingegangen? Welche Rechnungen sind noch offen? Wo liegen die größten Kosten?
Digitale Buchhaltung ist kein Luxus, sondern Betriebsführung auf modernem Niveau.
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