Kaum eine Frage beschäftigt Handwerksbetriebe beim Thema Website so sehr wie diese: Sollten wir unsere Preise veröffentlichen oder nicht? Die Antwort ist nicht schwarz oder weiß — aber es gibt eine klare Empfehlung, die für die meisten Betriebe funktioniert.

Vorab: "Preise auf Anfrage" ist oft die schlechteste Option. Lesen Sie warum — und was Sie stattdessen tun sollten.

Das Argument für Preistransparenz

Vorqualifizierung von Anfragen

Das stärkste Argument: Wer Ihre Preise kennt und trotzdem anfrägt, meint es ernst. Sie vermeiden Anfragen von Kunden, die einen deutlich günstigeren Anbieter suchen als Sie es sind.

Ohne Preisangabe erhalten Sie vielleicht 20 Anfragen pro Monat — aber 15 davon scheitern am Preis. Mit klaren Preisinformationen kommen vielleicht 8 Anfragen — aber 7 davon konvertieren.

Das spart Zeit, Nerven und Fahrtkosten für Besichtigungen die nie zu Aufträgen werden.

Vertrauen durch Transparenz

Kunden, die keine Preisangaben finden, vermuten oft Intransparenz. “Preise auf Anfrage” kann wirken wie: “Wir schauen erst, wer kommt — und passen dann den Preis an.”

In einer Zeit wo Verbraucher Transparenz gewohnt sind (Amazon, Check24, alle anderen), wirken undurchsichtige Preisstrukturen als Vertrauenshemmnis.

SEO-Vorteil durch Preis-Keywords

Suchanfragen wie “Elektriker Kosten Düsseldorf”, “Was kostet Heizungsinstallation NRW” oder “Preis Malerbetrieb Wohnungsrenovierung” werden regelmäßig gesucht.

Wenn Sie auf diese Fragen antworten — auch wenn nur mit Richtwerten — ranken Sie für wertvolle kaufintente Keywords.

Das Argument gegen Preistransparenz

Jeder Auftrag ist anders

Das stärkste Gegenargument: Im Handwerk gibt es selten pauschale Preise. Ein Elektriker-Auftrag hängt von Leitungsweg, Alter des Gebäudes, Anzahl der Punkte und vielem mehr ab. Ein fester Preis suggeriert Planbarkeit wo keine ist.

Der Wettbewerb schaut mit

Wenn Sie Ihre Preise veröffentlichen, wissen das auch Konkurrenten. Manche Betriebe nutzen das, um sich minimal günstiger zu positionieren.

Rabattverhandlungen vorprogrammiert

“Sie haben 80€/Stunde geschrieben — aber Kollege X macht es für 65€.” Preisangaben können als Verhandlungsbasis missverstanden werden.

Der beste Kompromiss: Richtwerte und Startpreise

Die Lösung, die die Vorteile beider Seiten kombiniert: Richtwerte und Startpreise, klar als solche gekennzeichnet.

Formulierungen die funktionieren:

“Kleinreparaturen ab 89€ inklusive Anfahrt”

“Badsanierung: Planung und Ausführung ab 3.500€ — je nach Größe und Material”

“Stundenpreise: 75–95€ je nach Aufwand und Material”

“Kostenlose Besichtigung und unverbindliches Angebot — sprechen Sie uns an”

Diese Formulierungen:

Preise und Positionierung: Was Ihre Preiskommunikation aussagt

Wie Sie über Preise sprechen, verrät viel über Ihre Positionierung.

Premium-Handwerker

Wenn Sie zu den teuersten in Ihrem Markt gehören — aus gutem Grund — sollten Sie das kommunizieren:

“Als Meisterbetrieb mit über 15 Jahren Erfahrung arbeiten wir nicht im Billigsegment. Unsere Preise spiegeln Qualität, Gewährleistung und persönliche Beratung wider.”

Kein Preis genannt — aber klare Botschaft: Wir sind nicht die günstigsten, aber die besten.

Preis-Leistung-Fokus

Wenn Sie gutes Handwerk zu fairen Preisen liefern:

“Transparente Preisgestaltung: Unsere Stundensätze beginnen bei 79€, alle Kosten werden im Angebot detailliert aufgeführt — keine versteckten Gebühren.”

Festpreis-Modell

Manche Betriebe positionieren sich aktiv über Festpreise:

“Für Standardleistungen bieten wir Festpreise: Heizkörper tauschen ab 180€, Thermostat installieren ab 95€ — alles inklusive.”

Das ist ein starkes Differenzierungsmerkmal und schafft maximales Vertrauen.

Branchen-spezifische Empfehlungen

Gewerk Empfehlung
Elektriker Stundensatz als Richtwert + kostenlose Besichtigung anbieten
Maler Preise per m² als Orientierung + Kostenvoranschlag-Angebot
Heizungsbauer Wartungspreise fix + Installations-Richtwerte
KFZ-Werkstatt Wartungspreise und Stundensatz nennen
Fliesenleger Preis per m² als Richtwert + Material separat
Gebäudereinigung Stundenpreise + Preise für Standardpakete

Die “Preise auf Anfrage”-Falle

“Preise auf Anfrage” klingt seriös — ist aber oft der Conversion-Killer. Warum?

  1. Kunden müssen aktiv werden, ohne Orientierung zu haben
  2. Das Risiko der Ablehnung (zu teuer) ist asymmetrisch: Der Kunde muss Zeit investieren ohne Gewissheit
  3. Viele Kunden springen zu einem Konkurrenten mit klaren Angaben — auch wenn der Preis letztlich ähnlich wäre
  4. Es wirkt wie Intransparenz oder Preisanpassung je nach Kundenprofil

Ausnahme: Bei sehr individuellen Großaufträgen (Komplettbadsanierungen, Neubauten) ist “Angebot nach Besichtigung” akzeptiert und erwartet.

Praktische Umsetzung auf der Website

Hier ein Beispielaufbau für eine Preisseite:

Abschnitt 1: Orientierung geben “Unsere Preise richten sich nach Aufwand und Material. Als Orientierung:”

Abschnitt 2: Was immer inklusive ist

Abschnitt 3: Nächster Schritt “Für ein genaues Angebot: Rufen Sie uns an oder nutzen Sie unser Kontaktformular — Antwort innerhalb von 24h.”

Fazit: Richtwerte veröffentlichen, Festpreise wo möglich

Die kurze Antwort: Ja, veröffentlichen Sie Preisinformationen — aber als Richtwerte mit klarer Kommunikation dass der Endpreis variiert. Verzichten Sie auf “Preise auf Anfrage” wo immer möglich. Nutzen Sie Preiskommunikation aktiv als Positionierungs-Tool.

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