Die ersten Wochen nach der Gründung entscheiden darüber, ob Ihr neuer Handwerksbetrieb sofort Fahrt aufnimmt oder zäh anlaufen. Viele frische Handwerksunternehmer warten auf Mundpropaganda — und verlieren dabei wertvolle Zeit. Dabei gibt es heute erprobte digitale Wege, mit denen Sie deutlich schneller zu Ihren ersten Aufträgen kommen.
Dieser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, was in den ersten 30, 60 und 90 Tagen zu tun ist.
Schritt 1: Google Business Profile — kostenlos, sofort wirksam
Noch bevor Ihre Website fertig ist, sollten Sie Ihren Google Business Profile Eintrag anlegen. Das ist vollständig kostenlos und sorgt dafür, dass Ihr Betrieb in der lokalen Google-Suche erscheint — also genau dann, wenn jemand in Ihrer Stadt nach einem Handwerker sucht.
So geht es:
- Rufen Sie business.google.com auf
- Legen Sie ein Konto mit Ihrer Firmen-E-Mail an
- Tragen Sie Name, Adresse, Telefonnummer und Gewerk ein
- Wählen Sie „Dienstleistungsgebiet" (kein Ladengeschäft nötig)
- Verifizieren Sie per Postkarte oder Video
Füllen Sie jedes Feld aus: Öffnungszeiten, Leistungen, Beschreibung, Fotos. Ein vollständiges Profil erscheint bei Google bis zu 7× häufiger als ein leeres.
Schritt 2: Website beauftragen — lieber früh als spät
Viele Gründer schieben die Website auf: „Erst wenn ich mehr Zeit habe." Das ist ein strategischer Fehler. Google braucht Zeit, um neue Seiten zu indexieren und zu ranken. Wer heute mit einer Website startet, hat in 6 Monaten deutlich mehr Sichtbarkeit als jemand der dann erst beginnt.
Was Ihre erste Website leisten muss:
- Name, Leistungen und Einzugsgebiet klar kommunizieren
- Eine Telefonnummer und ein Kontaktformular (viele Kunden schreiben lieber als anzurufen)
- Impressum und Datenschutz (gesetzlich Pflicht)
- Erste Kundenstimmen — selbst 2–3 Bewertungen reichen anfangs
- Ihre Google Business Seite verlinken
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Jetzt kostenlos anfragenSchritt 3: Visitenkarten — analoge Konversion
Unterschätzen Sie Visitenkarten nicht. Wenn Sie nach einem Gespräch mit dem Nachbarn, auf dem Sportplatz oder an der Kasse eine Karte überreichen, wird aus einem flüchtigen Kontakt ein echter Lead.
Gute Visitenkarten enthalten:
- Name und Berufsbezeichnung
- Telefon und E-Mail
- Website-URL (z. B. max-elektriker-duesseldorf.de)
- Optional: QR-Code zur Website
200 Visitenkarten kosten ca. 20–30 € und bringen regelmäßig Aufträge.
Schritt 4: Erste Kunden aus dem Netzwerk — legitim und effektiv
Sie haben in Ihrem bisherigen Berufsleben viele Kontakte gesammelt. Es ist völlig legitim — und sogar erwartet — dass Sie diese für Ihre Gründung nutzen. Was Sie dabei beachten sollten:
Erlaubt und sinnvoll:
- Persönliches Netzwerk informieren (Familie, Freunde, Bekannte, Nachbarn)
- Ehemalige Kunden, die Sie persönlich betreut haben, separat informieren — sofern Sie keine Wettbewerbsklausel haben
- Handwerker anderer Gewerke im Umfeld ansprechen (Empfehlungspartnerschaften)
Tipp: Schreiben Sie eine freundliche WhatsApp-Runde oder einen Instagram-Post: „Ich habe mich selbstständig gemacht als [Gewerk] in [Stadt]. Falls Sie oder jemand in Ihrem Umfeld Hilfe braucht — ich freue mich über jede Empfehlung."
Schritt 5: Lokale Facebook-Gruppen und Nachbarschaft
Viele Städte haben aktive Facebook-Gruppen mit Namen wie „Nachbarschaftshilfe [Stadt]" oder „Marktplatz [Stadtname]". Dort fragen Bürger regelmäßig nach Handwerkern.
So nutzen Sie diese sinnvoll:
- Treten Sie 3–5 lokalen Gruppen bei
- Stellen Sie sich kurz vor (kein Spam — ein einmaliger Vorstellungspost ist okay)
- Antworten Sie aktiv wenn jemand einen Handwerker sucht
- Teilen Sie gelegentlich nützliche Tipps (z. B. „Wann muss ich meine Elektroanlage prüfen lassen?")
Schritt 6: Die ersten 5 Google-Bewertungen
Für die lokale Sichtbarkeit bei Google sind Bewertungen entscheidend. Das Gute: Am Anfang reichen 5 echte Bewertungen um deutlich sichtbarer zu sein als Betriebe mit 0 Bewertungen.
Wen Sie als erstes fragen:
- Familie und Freunde die Ihre Arbeit gesehen haben
- Erste echte Kunden nach Abschluss des Auftrags
- Bekannte aus dem Handwerk die mit Ihnen zusammengearbeitet haben
So bitten Sie um eine Bewertung: „Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir eine kurze Google-Bewertung hinterlassen würden — das hilft mir als neuem Betrieb enorm." Schicken Sie dazu direkt den Link zu Ihrem Google Business Profil.
Ihr 90-Tage-Plan als Neugründer
| Zeitraum | Aufgabe | Erwartetes Ergebnis |
|---|---|---|
| Woche 1 | Google Business Profil anlegen, vollständig ausfüllen | Erste Sichtbarkeit in Maps |
| Woche 1–2 | Website beauftragen (z. B. Artfex) | Fundament für SEO |
| Woche 2 | Netzwerk informieren, Visitenkarten bestellen | Erste Weiterempfehlungen |
| Woche 3–4 | Facebook-Gruppen beitreten, aktiv werden | Erste direkte Anfragen |
| Monat 2 | Erste 5 Bewertungen sammeln | Sichtbarkeit in lokaler Suche |
| Monat 2–3 | Erste Blogbeiträge auf Website (optional) | Langfristiges SEO |
| Monat 3 | Google Business Posts (wöchentlich) | Verbesserte Rankings |
| Nach 90 Tagen | Auswertung: Was kam woher? | Fokus auf beste Kanäle |
Nach 90 Tagen: Was Sie realistisch erwarten können
Wenn Sie diese Schritte konsequent umsetzen, können Sie nach 90 Tagen Folgendes erwarten:
- Google Business Profil: Erste Aufrufe und Anfragen aus der Umgebung
- Website: Google hat Ihre Seiten indexiert, erste organische Klicks
- Netzwerk: 2–5 direkte Empfehlungen
- Bewertungen: 5–10 Bewertungen, was Sie in den lokalen Top-3 positionieren kann
Entscheidend: Das alles addiert sich. Eine Bewertung bringt mehr Sichtbarkeit, mehr Sichtbarkeit bringt mehr Kunden, mehr Kunden bringen mehr Bewertungen.